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2 7 - 0 9 - 2 0 0 5 Chefin fiel aus allen Wolken
Sindelfingen: 21-Jährige bestellte Viagra und Drogen
Thomas Oberdorfer Viagra und Anabolika im Wert von 83000 Euro hat eine Apothekenhelferin aus Sindelfingen ohne Wissen ihrer Arbeitgeberin, eine Sindelfinger Apothekerin, bestellt. Wegen Betrugs in 110 Fällen ist die 21-jährige Angeklagte vom Böblinger Amtsgericht zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Die erste Tat ereignete sich im Mai des Jahres 2003, die letzte Mitte August des vergangenen Jahres: In diesem Zeitraum bestellte die 21-jährige Angeklagte Tine R. (Name von der Redaktion geändert) in 110 Fällen Viagra oder Anabolika auf Kosten ihrer Arbeitgeberin, einer Sindelfinger Apothekerin. Die Lieferungen nahm die Angeklagte persönlich entgegen. Als Grund für diese Taten gab die 21-Jährige, verheiratete Frau vor, dass sie von ihrem Liebhaber, gleichsam dem Abnehmer der Medikamente, erpresst worden sei. "Er wollte meiner Familie von dem Verhältnis erzählen, wenn ich ihm nicht die Ware liefere", sagte die Angeklagte vor Gericht. Indes, von diesem Freund wusste sie nur den Vornamen, sie konnte dem Gericht auch nicht mitteilen, wo er wohnt. Der Vorsitzende Richter Scheible glaubte dieser Einlassung der Angeklagten denn auch nicht. Die Bestellungen hatte Tine R. per Telefon oder Online über das Internet vorgenommen. Jeweils am Ende eines jeden Monats schickte der Lieferant eine große Gesamtrechnung, in der die abgenommenen Posten nicht einzeln aufgeführt wurden. Oder aber die Ware musste erst drei oder vier Monate nach deren Eingang bezahlt werden. Aus diesem Grund schöpfte die Besitzerin der Apotheke lange Zeit keinen Verdacht. Zudem vermutete sie, dass die Geschäfte auch aufgrund der Gesundheitsreform nicht so gut laufen würden. Ans Licht kamen die Taten erst, als die Angeklagte im Urlaub war und ihre Chefin eine große Rechnung in die Hände bekam, die ihre Einnahmen überstieg. Was mit den Arzneimitteln passierte, darauf gab es in der Verhandlung vor dem Böblinger Amtsgericht keine befriedigende Antwort. Klar ist, dass ein Mensch allein Viagra und Anabolika im Wert von 83 000 Euro in gut 14 Monaten kaum verbrauchen kann, ohne körperliche Schäden davonzutragen. Vielmehr stellt sich die Frage, ob diese Medikamente weiterverkauft wurden. Die Angeklagte räumte den Sachverhalt ein. Sie hatte im Vorfeld des Strafprozesses auch ein Schuldanerkenntnis in Höhe von 120 000 Euro unterschrieben. Somit hat ihre Chefin einen Titel, wird damit aber aller Voraussicht nicht viel anfangen können. Die Angeklagte ist derzeit arbeitslos, bei ihr ist kein Geld zu holen. Ein Jahr und sechs Monate Jugendstrafe auf Bewährung lautete das Urteil des Böblinger Amtsgerichts wegen Betrugs. Zudem muss Tine R. noch 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. |
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