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0 8 - 1 2 - 2 0 0 5 Brücken-Mord das Zellen-Gespräch
Mithäftling des Angeklagten sagt zunächst bei Polizei aus, schweigt aber vor Gericht
Silvia Dott "Die können mir gar nichts. Dafür habe ich gesorgt!" Dies soll der 22-jährige Angeklagte im Mordprozess Swen Hühner zu einem Mithäftling gesagt haben. Der Mann aus Orbis ist angeklagt, Hühner ermordet zu haben. Gestern ging der Prozess vor dem Mainzer Landgericht weiter. Noch in Freiheit habe der Straßenbauer gesagt, Hühner stehe ihm in einer Beziehung zu einem Mädchen im Weg. Er müsse "etwas Endgültiges" tun, so gestern ein 40-jähriger Zeuge vor dem Mainzer Schwurgericht. Laut Anklage lockte der Straßenbauer aus Orbis den Freund am 15. Januar auf die Autobahnbrücke der A 63 in Alzey-Weinheim, schoss ihm zweimal in den Kopf und warf ihn 50 Meter in die Tiefe. Schnell hatte sich der Straßenbauer als Hauptverdächtiger herauskristallisiert, schien er doch starke Motive zu haben. Zum einen war da die Eifersucht wegen des Mädchens, das sich dem späteren Opfer zugewandt hatte. Zum anderen hatte der Bodybuilder mit dem späteren Opfer zahlreiche Diebstähle begangen, die dieser auszuplaudern drohte. In der Haft sprach sich schnell herum, weswegen der 22-Jährige einsaß. Nach Darstellung eines 24-jährigen Mitgefangenen sprach der Angeklagte zunächst von Anabolika- und Drogenhandel. "Ein Zellengenosse fand jedoch seinen Haftbefehl und posaunte alles heraus. Von diesem Tag an war der Mord das Knast-Gespräch." Der Angeklagte habe den Mord abgestritten und dies mit zahlreichen Versionen untermauert. So habe die Freundin des späteren Opfers eine Lebensversicherung zu ihren Gunsten auf den Mann abgeschlossen und ihn dann umgebracht. In einer anderen Geschichte behauptete der Mann aus Orbis, man habe in der Tatnacht ein Luxusauto aufgebrochen und sei von dem Eigentümer überrascht worden. Der Freund sei geflohen, der Eigentümer hinterher. Dieser müsse den Mord begangen haben, so die Theorie des Angeklagten. "Irgendwann sagten wir ihm, dass wir kein Wort mehr glauben", sagte der Zeuge gestern. Da soll der 22-Jährige nach und nach mit der ganzen Wahrheit herausgerückt sein. Vor der Polizei erzählte der 24-jährige Mithäftling detailgetreu, wie sich die Tat nach der Schilderung des Angeklagten abgespielt haben soll. In der gestrigen Verhandlung rückte der Zeuge jedoch davon ab: "Alles, was ich damals gesagt habe, war gelogen. Ich wollte Pluspunkte machen, damit ich schneller aus dem Knast komme." Er habe die Geschichte von dem Mord von einem 20-jährigen Mithäftling gehört. "Aber auch der reimte sich nur etwas zusammen." Der Staatsanwalt ärgerlich: "Da machen Sie eine 20-seitige schlüssige Aussage. Und jetzt soll alles gelogen sein? Das glauben Sie doch selbst nicht." Beide Zeugen sollen im Gefängnis bedroht worden sein. Der 20-jährige Mithäftling weigerte sich, gestern eine Aussage zu machen. Die Kammer ahndete dies mit einer Geldstrafe von 1 000 Euro, ersatzweise sechs Wochen Beugehaft. |
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