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Nur ein Herzproblem?
Brasilien: Fußballspieler stirbt auf dem Feld
Von Elmar Getto Während des Erstligaspieles F.C. São Paulo – São Caetano im Morumbi-Stadion in São Paulo (zweigrößtes Stadion Brasiliens) am letzten Mittwoch starb der São-Caetano-Spieler Serginho (Koseform von Sérgio) auf dem Feld an Herzversagen im Alter von 30 Jahren. Serginho, mit vollem Namen Sérgio Ribeiro da Silva, war einer der besten Verteidiger Brasiliens. Das Spiel stand noch 0 : 0 und wurde nach dem Vorfall abgebrochen. Es handelte sich um eines der Spitzenspiele in der Endphase der brasilianischen Meisterschaft, in der noch 8 Spieltage zu absolvieren sind. Beide Clubs haben als dritter und vierter noch Chancen auf die Meisterschaft. Der Sieger des Spieles hätte nur noch einen Punkt Rückstand auf die beiden führenden Mannschaften (Santos und Atletico Paranaense) gehabt. Es wird berichtet, Serginho habe ein Angebot eines französischen Clubs vorliegen gehabt, ab nächstem Jahr dort zu spielen. São Caetano, der vorher fast unbekannte Club aus der Stadt mit gleichem Namen im Bereich von Groß-São Paulo wurde Ende der Neunziger Jahre die Sensationsmannschaft Brasiliens und Serginho hatte wesentlichen Anteil daran. Nach dem Aufstieg in die ersten Ligen sowohl der São-Paulo-Landesmeisterschaft als auch der brasilianischen Meisterschaft 1998 bzw. 1999 hat die Mannschaft ständig vordere Plätze belegt, wenn sie auch erst dieses Jahr ihren ersten Titel (São-Paulo-Landesmeister) holen konnte. São Caetano stand auch schon im Endspiel um den südamerikanischen Landesmeister-Cup ‚Libertadores’ und ‚spezialisierte’ sich eine Zeit lang auf zweite Plätze. Bereits im Jahr 1999 stand die Mannschaft in den Endspielen um die brasilianische Meisterschaft gegen Vasco Rio de Janeiro. Beim Rückspiel in Rio kam es zu einem großen Zuschauerunglück mit zig Verletzten und das Spiel mußte abgebrochen werden. Nach den Regeln hätte São Caetano zum Sieger erklärt werden müssen und hätte damit die Meisterschaft gewonnen gehabt, aber in einer der unverständlichen Entscheidungen brasilianischer Fußballgerichte wurde mitten in der Urlaubszeit der Fußballer ein neues Spiel angesetzt, das Vasco gewann. Nach Zeitungsberichten wurde bei Serginho in einer Untersuchung im Februar dieses Jahres ein Herzfehler festgestellt. Der zuständige Herzspezialist wurde zitiert: „Die Cintilographie zeigte eine Herzvergrößerung und eine ernsthafte Erkrankung des Herzmuskels.“ Es ist nicht klar, warum er trotzdem weiterspielte. Nach Aussage der Witwe hätten die Ärzte des Clubs São Caetano gesagt, er habe lediglich leichte Herzrhytmusstörungen und die Chance, daß etwas passiert, sei unter 1 %. Ein anderer Herzspezialist sagt dagegen: „Diese Diagnose ist eine der hauptsächlichen Ursachen von Todesfällen von Athlethen mit weniger als 35 Jahren. Einer der befragten Ärzte wies darauf hin, daß der Gebrauch von Anabolika im Fußball weit verbreitet ist bei Spielern, die „Muskelmasse gewinnen“ müssen und daß diese Erkrankung auch eine Nebenwirkung dieser Dopingmittel sein kann. Noch bevor 15 Minuten der zweiten Halbzeit gespielt waren, brach Serginho plötzlich auf dem Feld zusammen. Sofort wurden Ärzte aufs Spielfeld gerufen, die ‚Herzflimmern’ feststellten. Mit Herzmassagen und Mund-zu-Mundbeatmung wurde versucht, sein Leben zu retten. Als er nach etwa 3 Minuten mit dem Verletzten-Wägelchen vom Platz und in ein Ambulanzfahrzeug gebracht wurde, hatte er bereits Herzstillstand. Erst dort konnte ein externer Herzschrittmacher angelegt werden, was aber zu spät kam. Ein Sportarzt sagte: „Wäre ein externer Herzschrittmacher im Stadion vorhanden gewesen, hätte sein Leben eventuell gerettet werden können. Ein anderer Arzt wies daraufhin: „Dann hätte aber auch ein Spezialist da sein müssen, der ihn bedienen kann, normale Sportärzte sind damit überfordert.“ Als die anderen Spieler und die Zuschauer merkten, daß es um das Leben Serginhos ging und schließlich, daß er gestorben war, spielten sich erschütternde Szenen im Stadion ab. Einige knieten nieder und beteten, andere umarmten sich und weinten. Die Zuschauer riefen seinen Namen. Schließlich bildeten alle Spieler und Betreuer beider Mannschaften einen großen Kreis und beteten gemeinsam. An ein Fortsetzen des Spiels war nicht zu denken. Fast niemand ging ohne Tränen nach Hause. Die Leichenschau ergab nach Angaben der Internet-Seite ‚terra esportes’, daß das Herz Serginhos 600 Gramm wog, das dreifache eines normalen Herzens. Die Tragödie ruft Erinnerungen an andere Todesfälle auf dem Spielfeld wach, wie der des Ungarn Miklos Fehér in einem Spiel der portugiesischen Liga Anfang dieses Jahres und der des Kamerun-Spielers Marc-Vivien Foe in einem Spiel seiner Nationalmannschaft gegen Kolumbien während des FIFA-Federations-Cup in Frankreich im letzten Jahr. Dies sind aber keineswegs Einzelfälle. Die Zeitung ‚O Dia’ aus Rio de Janeiro vom 29.10.04 zählt allein 17 Fälle von Fußballspielern auf, die in den letzten dreißig Jahren in Aktivität starben, neben weiteren vier Fällen von Basketballspielern. |
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