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2 1 - 0 5 - 2 0 0 5 Mordfall Didier nach 15 Jahren vor Gericht
17.05.05
Biel. AP/baz. 15 Jahre nach dem Mord an der 18-jährigen Brigitte Didier hat am Dienstagmorgen in Biel der Prozess gegen einen 38-jährigen Schweizer begonnen. Ihm wird vorgeworfen, die junge Frau im Dezember 1990 vergewaltigt und mit mehreren Messerstichen getötet zu haben.
Der Angeklagte verbüsst derzeit bereits eine 15-jährige Zuchthausstrafe, zu der er im Mai 1999 wegen eines 1997 in Biel verübten Tötungsdelikt verurteilt worden war. Nun muss er sich vor dem Kreisgericht II Biel-Nidau wegen Mordes, Freiheitsberaubung und Entführung sowie sexueller Nötigung verantworten.
Der Angeklagte hatte bisher die Tat bestritten. Die 18-jährige Frau aus Tavannes im Berner Jura war am 20. Dezember 1990 von einem Zahnarztbesuch in Biel nicht mehr zurückgekehrt. Ihre Leiche wurde erst mehrere Tage später unter einem Autobahnviadukt der A16 bei Biel entdeckt.
Die Verhandlung ist auf eine Woche angesetzt; die Urteilseröffnung erfolgt voraussichtlich am kommenden 27. Mai.
2 1 - 0 5 - 2 0 0 5 Kreisgericht: Mordprozess Didier
Der Täter ist hochgradig gefährlich
BArbara Siegrist
Am vierten Prozesstag kamen die Exfrau und der Psychiater zu Wort. Das Bild vom Angeklagten wird immer klarer. Mit deutlicher Stimme, aber im Verlauf der Befragung immer aufgewühlter, hat die Exfrau des Angeschuldigten am gestrigen Prozesstag im Mordfall Didier ausgesagt. «Ich habe heute eine solche Abneigung gegenüber meinem Exmann, dass ich nicht mehr objektiv über ihn sprechen kann», sagte sie. Als sie im Verlauf der polizeilichen Einvernahme 2002 realisiert habe, dass ihr Exmann verdächtigt werde, Brigitte Didier umgebracht zu haben, sei in ihr eine Welt zusammengebrochen. Sie habe geglaubt, ihren Mann zu kennen, und habe stattdessen einsehen müssen, dass er sie dauernd angelogen habe. Die letzte Zeit ihrer Ehe sei «der Horror» gewesen, ihr Exmann habe sie auch geschlagen und einmal gewürgt. 1996 ist sie ausgezogen. Für das Publikum bei Gericht lag die Versuchung nahe, die Ausführungen der Exfrau mit denjenigen des Psychiaters zu vergleichen. Frank Urbaniok hatte den Angeklagten 2003 mit seinem Team 13-mal untersucht. Die Begutachtung sei sehr komplex gewesen, vor allem deshalb, weil der Angeschuldigte nicht geständig und sein Leben, bis auf die beiden nicht gestandenen Taten, sehr unauffällig verlaufen sei. Grundlage für das Gutachten waren die vorsätzliche Tötung von 1997, für die er rechtskräftig verurteilt ist, und die Annahme, dass er auch im Mordfall Didier der Täter ist. Die Tat von 1997 führt Urbaniok auf die narzistische Persönlichkeitsstruktur zurück, die ausgelöst durch Beziehungsprobleme mit einem Nebenbuhler in Gewalt ausartete. Den Mord an Brigitte Didier verbindet der Psychiater mit einem sadistischen oder dominanten sexuellen Verhalten, das sich gewalttätig niederschlug, ohne dass der Auslöser bekannt ist. Die Tat sei gesteuert und geplant ausgeführt worden, weshalb der Täter zurechnungsfähig sei. Sofern der Angeklagte der Täter ist, ist die Tat von seinem abgespaltenen psychopathischen und gewaltbezogenen Persönlichkeitsanteil ausgeführt worden. Urbaniok verweist als Beispiel auf die Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Die Annahme, dass diese Abspaltung existiert, stützt sich auf die Untersuchung, die Befragung und das Verhalten des Angeklagten während der beiden Verfahren bis heute. Urbaniok hält es für sehr unwahrschinlich, dass man die Tat vollständig ausblenden könne, sie sei eher sehr weit weggelegt und nicht im abrufbaren Speicher des Hirns. Der Angeklagte war in den 90er Jahren ein begeisterter Bodybuilder. In dieser Zeit hat er Anabolika genommen. Der Psychiater hält es für möglich, dass diese einen psychischen Einfluss auf den Angeschuldigten gehabt haben könnten, da sie das aggressive Verhalten steigern können. Der ebenfalls gestern befragte einstige zweite Verdächtige konnte nichts Neues aussagen. Der Mann aus dem Berner Jura bestätigte Brigitte Didier gekannt und sexuellen Kontakt mit ihr gehabt zu haben. Er verwies auf die Akten, da es zu lange her sei, um sich zu erinnern. Die Eltern Brigitte Didiers haben auch am vierten Tag den Prozess aufmerksam verfolgt. |
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