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2 0 - 0 4 - 2 0 0 5 Italiens Fußball droht ein Doping-Skandal
Ungekühlte Proben
HANDELSBLATT
Die Dopingkontrollen im italienischen Fußball sind eine Farce. Dies geht aus den Ermittlungen des Turiner Staatsanwaltes Raffaele Guariniello vor. Die kombinierten Urin- und Bluttests wurden in den vergangenen zwei Jahren ungekühlt ins Labor geliefert, so dass ein Nachweis von Epo-Blutdoping gar nicht mehr möglich war.
ROM. Im Durchschnitt sei der Urin bei einer Raumtemperatur von 17 Grad Celsius, in einigen Fällen bis zu 30 Stunden bis zum Labor „Acqua Acetosa“ unterwegs gewesen, schreibt Guariniello in seinem Bericht an den italienischen Gesundheitsminister Girolamo Sirchia. Dem von Fan- Ausschreitungen und Finanzkrisen gebeutelten Fußball in Italien droht damit ein neuer Skandal.
Die Staatsanwaltschaft Turin, die seit Jahren in Sachen Doping und Medikamentenmissbrauch im Sport ermittelt, hatten die vielen ergebnislosen Dopingtests misstrauisch gemacht. In insgesamt 780 Kontrollen der letzten beiden Spieljahre war kein einziger Epo- Dopingfall entdeckt worden. Nun stellt sich die Frage: Waren wirklich alle Fußballer sauber oder taugen die Tests nichts?
Daran schloss Staatsanwalt Guariniello sofort die zweite Frage an: Wie ist es möglich, dass ausgebildetes Fachpersonal nie auf die Notwendigkeit der Kühlung der Urinproben aufmerksam gemacht hat? „Ein Kühlelement im Wert von einem Euro hätte gereicht“, schrieb der „Corriere della Sera“, der am Dienstag von dem neuen Dopingskandal berichtete.
Ins Zwielicht waren die Dopingtests bereits vor einigen Wochen geraten, als Gennaro Gattuso und Giuseppe Pancaro vom Meister AC Milan nach dem 2:0 beim AS Roma die freiwilligen Kombinationstests von Blut- und Urin verweigerten. Dabei stellte sich heraus, dass die Verweigerung der Kontrollen kein Einzelfall war. Ab der nächsten Saison werden die Kombi-Tests obligatorisch.
Guariniello hatte bereits vor Jahren die damaligen Schlampereien im Dopingkontrolllabor „Acqua Acetosa“ aufgedeckt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) entzog dem römischen Labor daraufhin für einige Monate die internationale Lizenz. Guariniello war auch maßgeblich an den Dopingprozessen gegen den verstorbenen Radstar Marco Pantani beteiligt.
Derzeit führt er einen Prozess gegen Juventus Turin, dessen Teamarzt Ricardo Agricola in erster Instanz wegen Verabreichung von gefährlichen und leistungssteigernden Medikamenten zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde. Außerdem erforscht der Turiner seit Jahren, ob die erhöhte Sterberate von Leistungssportlern auf Doping in jungen Jahren zurückzuführen ist.
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