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2 1 - 0 3 - 2 0 0 8 Ueberdosis aus Verzweiflung?
VON DIETRICH HARH
Muenster - War es sportlicher Ehrgeiz oder persoenliche Verzweiflung, die einen 24-Jaehrigen dazu trieb, eine Ueberdosis eines giftigen Diaetpraeparates einzunehmen? Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer, am Dienstag bestaetigte, deuten inzwischen klare Hinweise darauf hin, dass der junge Mann aus Muenster-Wolbeck nicht versehentlich der Substanz Dinitrophenol (DNP) zum Opfer fiel. Schweer raeumte ein, am Vortag irrtuemlich berichtet zu haben, dass der 24-Jaehrige (diese Altersangabe machte die Mutter des Verstorbenen), tot in seiner Wohnung aufgefunden worden sei. Der Behoerdensprecher, der zunaechst eher von einem Unfall beim Missbrauch von DNP ausgegangen war, stellt den tragischen Hergang nun so dar: Der 24-Jaehrige habe gegen 18 Uhr seiner Ex-Freundin am Telefon mitgeteilt, dass er eine hoehere Dosis des heiklen Praeparates eingenommen habe. Die Frau sei daraufhin mit ihm in ein Krankenhaus gefahren. Dort habe der Kraftsportler aber einige Zeit verstreichen lassen, bis er die Substanz nannte, die er sich selbst verabreicht hatte. Dass sich das Praeparat im Koerper, der schon stark erhitzt war, verteilt hatte, wurde dem Mann offenbar zum Verhaengnis. Selbst Experten einer Giftnotrufzentrale, so hieß es, konnten ihm nicht mehr helfen. Der 24-Jaehrige sei in eine andere Klinik verlegt worden – auch dort gelang es den Medizinern nicht, das Leben des Mannes zu retten, der am fruehen Freitagmorgen starb. Dass sich in seiner Wohnung Wirkstoffe fanden, die in der Bodybuilder-Szene gehandelt werden, beschaeftigt weiter die Ermittler. Sie wollen klaeren, wie das DNP-Opfer, das in mehreren Fitness-Studios trainiert haben soll, an die Praeparate gelangt ist. 2 1 - 0 3 - 2 0 0 8 Tod eines Bodybuilders
VON DIETRICH HARH
Muenster - Selbst Aerzte konnten ihm nicht mehr helfen. Am Freitag starb ein 25-Jaehriger in einem Krankenhaus. Wurde ihm der Wunsch, seine Muskeln weiter aufzupumpen, zum Verhaengnis? Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Muenster, bestaetigte am Montag auf Anfrage unserer Zeitung, dass der junge Mann der Bodybuilder-Szene angehoerte. Die Haupt-Todesursache sei fuer die Ermittler schon klar: Der Sportler starb an einer Ueberdosis eines Dinitrophenols (DNP). Der verbotene Wirkstoff ist begehrt, weil er Fett abbauen, die Muskeln aber zur Geltung bringen soll. „Wundermittel oder Wahnsinn“, heißt es zu DNP in einem Bodybuilder-Forum. Wer sich auf das hochgiftige Praeparat einlaesst, spielt mit seinem Leben, wie es nicht erst der juengste Fall beweist. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sei der 25-Jaehrige nach einer Tagesdosis von vier Gramm gestorben. Nur ein Gramm mehr als der tolerable Wert. Ein Verbrechen schließt die Staatsanwaltschaft aus. Allerdings gibt es inzwischen auch Hinweise darauf, dass der 25-Jaehrige seinen Tod in Kauf nahm. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Dienstag habe der junge Mann seiner Ex-Freundin mitgeteilt, dass er eine hoehere Dosis des Praeparates eingenommen habe. Die Freundin sei dann mit ihm in eine Klinik gefahren. Dort habe der 25-Jaehrige zu lange gewartet, bis er einraeumte, DNP geschluckt zu haben. Weder die Giftnotrufzentrale noch die Aerzte einer anderen Klinik, in die er verlegt wurde, konnte dem jungen Mann noch helfen, so die neuen Informationen der Staatsanwaltschaft. DNP war nicht die einzige brisante Substanz, die die Polizei in der Wohnung in Wolbeck entdeckte. Der Oberstaatsanwalt berichtet, es seien „eine ganze Menge Amphetamine und weitere Stoffe“ gefunden worden, deren Analyse noch ausstehe. Die Frage, woher die teils illegalen Mittel stammen, beschaeftigt Justiz und Polizei noch weiter. Als Hauptumschlagplatz gilt das Internet, das vor Angeboten ueberquillt. Aber auch in Fitnessstudios werden offenbar riskante Trainingshilfen offeriert. Ein Insider der Szene berichtet davon, dass Mittelsmaenner wie Drogendealer zunaechst online oder mit Reisen durch Europa auf Einkaufstour gingen, um die riskanten Rezepturen dann mit satten Aufschlaegen loszuschlagen. Oftmals seien Anfaenger die Kaeufer, die „schnell Muskelmasse aufbauen wollen“, sagt ein Kraftsportler aus Muenster. In dem Studio, das er regelmäßig zum „Eisenbiegen“ aufsucht, „wird ordentlich geschluckt und gespritzt“, raeumt der 31-Jaehrige ein. „Der Missbrauch nimmt zu“, resuemiert auch Professor Wolfgang Voelker. Der Direktor des sportmedizinischen Instituts der Uni Muenster hat beobachtet, dass die Hemmschwelle sinke, zu Medikamenten zu greifen, statt den Trainingsaufwand zu steigern. Er weist auf Studien, nach denen rund 15 Prozent der Freizeitsportler verbotene medizinische Hilfsmittel einsetzen. Der Deutsche Bodybuilding- und Fitnessverband will sich nicht den Ruf ramponieren lassen: „Wir haben die Fuehrung im Kampf gegen anabole Steroide und andere verbotene Substanzen uebernommen“, beteuert er jedenfalls. |
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