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0 8 - 0 9 - 2 0 0 5 Modedroge: Berliner Apotheker im Visier
Ermittlungen gegen sechs Männer - Grundstoff aus Hustensaft
Von Tanja Laninger Die Modedroge "Crystal", die die Bundesländer Sachsen, Thüringen und Nordbayern bereits überschwemmt, beschäftigt auch die Berliner Staatsanwaltschaft und Polizei. Seit April ermitteln die Beamten gegen sechs Berliner. Der Verdacht: "Die Männer sollen gegen das Grundstoffüberwachungsgesetz verstoßen haben", sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald. Ein Apotheker und fünf Komplizen bestellten auffällig große Mengen an Hustensaft, in dem der Grundstoff "Ephedrin" enthalten ist. Diese Substanz kann zu Methamphetamin verarbeitet werden - eine Droge, die als "Crystal" bekannt ist. Produziert wurde der Stoff nicht in Berliner Hinterzimmerlabors, sondern in Tschechien. "Das Ephedrin wurde in verschiedenen Apotheken in Berlin in großen Mengen erworben und von hier aus durch deutsche, britische und türkische Tatverdächtige über verschiedene Vertriebswege mit Kurieren nach Ostsachsen gebracht", sagt Till Neumann, Sprecher der Staatsanwaltschaft Görlitz, die in den Ermittlungen federführend ist. In Bautzen hat eine Tatverdächtige tschechischer Herkunft die Ausfuhr des Grundstoffes nach Tschechien organisiert und sich um Einfuhr und Vertrieb von "Crystal" gekümmert. Bei Kontrollen hatten Berliner Polizisten und Staatsanwälte bereits am 7. April 59 Kilogramm Ephedrin sichergestellt und 15 Wohnungen in Neukölln und Kreuzberg durchsucht. Am 1. Juni durchsuchten 250 Polizei- und Zollbeamte zeitgleich 30 Wohnungen in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen und Sachsen. Dabei wurden 300 Gramm "Crystal", Haschisch, Anabolika sowie Unterlagen, Bargeld und Wertgegenstände in Höhe von 145 000 Euro sichergestellt. Aus 60 Kilogramm Ephedrin lassen sich 45 Kilo "Crystal" herstellen. Das sind rund 45 000 Konsumeinheiten mit einem Marktwert von 2,25 Millionen Euro. "Der Marktwert für ,Crystal' liegt bei 50 bis 65 Euro pro Gramm", sagt Neumann. "Diese synthetische Droge ist im Berliner Straßenhandel noch nicht aufgetaucht, aber trotzdem sehr gefährlich", konstatieren Rüdiger Engler vom LKA wie auch Berlins Drogenbeauftragte. Denn bereits nach Einnahme weniger Dosen setzt eine starke psychische Suchtwirkung ein. Entwickelt wurde Methamphetamin 1937 in Japan zur Behandlung Geisteskranker. Dann machte es Karriere als Abmagerungsmittel und wurde als Aufputschmittel Piloten und Panzerfahrern im Zweiten Weltkrieg verabreicht. "Seit 1970 ist es nicht mehr zulässig", sagt Engler. Jetzt wird es illegal geraucht und geschnupft. |
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