Ergogenics

  [Definitie:] "An ergogenic aid is any substance or phenomenon that enhances performance." (Wilmore and Costill)

  Nieuwsbrief over doping, supplementen, voeding en training

  DDR-doping       DDR-dopingprocessen       Springstein       Stasi deed in dope    

2 4 - 1 1 - 2 0 0 6

„Erschreckende Daten“: Doping-Folgen bei Kindern von DDR-Sportlern

Ulrike von Leszczynski
dpa
Leipziger Volkszeitung
Donnerstag, 23. November 2006

Berlin. Birgit Boese hat ihr Wissen in neun blauen Aktenordnern vor sich
Birgit Boese
aufgebaut. Die ehemalige DDR-Kugelstoßerin ist an einer Krücke in die Berliner Humboldt-Universität gehumpelt, und sie weiß sehr genau, worüber sie im Hörsaal spricht: Über Doping in der DDR und über die gesundheitlichen Folgen, mit denen ehemalige ostdeutsche Spitzensportler heute zu kämpfen haben.

Aber es geht nicht nur um die Athleten, die in den 50er, 60er und 70er Jahren geboren wurden. Es geht auch um ihre Kinder.

Sportwissenschaftler der Humboldt-Universität haben erstmals aufgezeigt, dass es einen engen Zusammenhang zwischen dem Doping von Sportlern, Totgeburten, Fehlgeburten und Kinderleiden wie Allergien geben kann.

Für die Studie, die mit 100 000 Euro von der Stiftung zur Aufarbeitung der DDR-Diktatur finanziert wurde, hat Birgit Boese zwei Jahre lang 52 ehemalige DDR-Sportler interviewt, 24 Frauen und 28 Männer.

Sie hat ihnen mit den Wissenschaftlern abgestimmte Fragen gestellt, und ihnen Anonymität zugesichert. Die einzelnen Gespräche sind auf über 2000 Seiten in den blauen Aktenordnern festgehalten, die erste Auswertung umfasst mehr als 900 Seiten.

„Es sind erschreckende Daten“, sagt der Sportsoziologe Giselher Spitzer.

Was die Wissenschaftler in den neuen Gesprächsprotokollen zu lesen bekamen, muss sich zu einem perfiden System zusammenreimen.

Giselher Spitzer

„Die Trainer haben bei Anabolika von Vitaminen oder Mineralstoffen gesprochen“, berichtet Spitzer. „Die Stoffe wurden in einen Tropf gespritzt oder es gab Pralinen beim Arzt mit deutlich sichtbaren Einstichstellen.“ Wer als Sportler - auch im Kindesalter - die „Vitamine“ verweigerte, setzte seine Karriere aufs Spiel.

Die Liste der Krankheiten, die in der Studie dokumentiert sind, ist lang.

62 Prozent der befragten Athleten haben zum Beispiel psychische Probleme. Es sind Männer mit Brüsten oder Frauen, die aussehen wie Männer. Ein Viertel der Befragten hat darüber hinaus beispielsweise Krebs, ein weiteres Viertel Essstörungen bis hin zur Magersucht.

Besonders getroffen aber hat es die Athletinnen - und ihre Kinder. Sie erlitten 32 mal so oft eine Fehlgeburt wie Frauen in der Normalbevölkerung Ostdeutschlands, fanden die Forscher heraus. Die Quote der Totgeburten lag 10 mal höher. Einige Sportlerinnen mussten ihre Kinderwünsche ganz aufgeben. Jedes vierte lebend geborene Baby der Wettkämpferinnen leidet an Allergien, Haut- oder Lungenerkrankungen, heißt es in der Studie.

„Wir sind keine Ärzte“, betonen die Berliner Sportwissenschaftler. „Aber wir haben diese Daten mit Geschwistern der Sportler und deren Kindern verglichen“, sagt Spitzer. „Dort gab es keine ähnliche Häufung solcher Fälle.“

Eine direkte Kausalität zwischen Doping und Folge- Erkrankungen können die Wissenschaftler mit ihrer Studie noch nicht beweisen. Sie sprechen lieber von „vorsichtigen Hypothesen“, die auf einen Kontext hindeuten.

Birgit Boese berichtet, dass sie unter Herzrhythmus- und Stoffwechselschäden sowie Diabetes leide. „Ich habe eine Wirbelsäule als wäre ich 80, aber ich bin 44“, sagt sie.

Bei den Interviews mit anderen Doping-Opfern habe sie sich manchmal erschrocken, ergänzt sie. „Es gibt auch Selbstmordgedanken“, sagt sie.

Die Wissenschaftler hoffen, dass ihre Studie auch mit Blick auf ein deutsches Anti-Doping- Gesetz gelesen wird.

Klagen gegen Trainer, die in den Akten genannt werden, haben die Forscher nicht erhoben. „Bisher nicht“, sagt Spitzer.

[Link]

Navigatie

Nieuws

Contact

Over ons

Dossiers

Zoeken