|
||
|
||
|
1 0 - 1 1 - 2 0 0 6 Großrazzia im Türsteher-Milieu
Haupttäter kamen aus dem Kreis Pinneberg. 20 Personen sollen mit Drogen, Waffen und Anabolika gehandelt haben.
Von Arne Kolarczyk Elmshorn - Der Zugriff erfolgte blitzschnell - und für die Kunden des Praktiker-Baumarktes nahezu unbemerkt: Beamte eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK) haben auf dem Parkplatz des Geschäftes an der Lise-Meitner-Straße in Elmshorn fünf Männer im Alter zwischen 25 und 29 Jahren vorläufig festgenommen. Sie sollen zu einer schleswig-holstein-weit agierenden Gruppierung gehören, die mit Drogen, Anabolika und Waffen handelte. Insgesamt wird gegen 20 Personen ermittelt. Hauptverdächtiger ist ein 26-jähriger Mann, der in Itzehoe gemeldet ist, sich jedoch hauptsächlich bei seiner Freundin in Elmshorn aufhalten soll. Bereits seit Sommer 2006 hatte ihn die Zollfahndung im Visier, eine im Juni erfolgte Wohnungsdurchsuchung erhärtete den Verdacht. Im Zuge der Ermittlungen stießen die Fahnder auf weitere Männer, die in enger Verbindung zum 26-Jährigen stehen. Alle stammen aus der Türsteherszene und sind polizeibekannt, vorbestraft insbesondere wegen Gewaltdelikten. Das Quintett wartete am Dienstag auf dem Parkplatz in einem BMW auf einen Drogenhändler (28) aus Hamburg. Bei dem Mann hatten sie im August zehn Kilogramm Marihuana zum Preis von 30 000 Euro bestellt und ein Viertel der Summe angezahlt. Mit dem Geld hatte sich der Geschäftspartner abgesetzt. Er wurde später jedoch von der Gruppe aufgespürt und unter Gewaltandrohung gezwungen, die Summe inklusive 2500 Euro "Zinsen" zurückzuzahlen. Zur Übergabe brachte der 28-Jährige nun die Polizei mit. Im BMW der Festgenommenen wurde ein Revolver der Marke Smith & Wesson vom Kaliber 38 gefunden, der mit fünf Patronen geladen war. In den Wohnungen der Männer in Wedel, Tornesch, Uetersen, Appen und Itzehoe fanden die Beamten geringe Mengen Marihuana, 4160 Euro an Drogengeld sowie umfangreiche Unterlagen. Gestern veranlasste das Zollfahndungsamt Hamburg weitere Durchsuchungen, an denen 160 Beamte sowie neun Rauschgiftspürhunde beteiligt waren. Betroffen: 13 Wohnungen in Uetersen, Elmshorn, Itzehoe und Kiel sowie die Räume einer Kfz-Werkstatt in Seeth-Ekholt. Die Ermittler stießen dabei auf zahlreiche Waffen, darunter zwei Pumpguns und ein Kleinkalibergewehr, diverse Waffenteile und Schlagringe, eine größere Menge Anabolika sowie eine kleinere Menge an Haschisch. Der 26-jährige Haupttäter, ein Deutscher, sowie ein türkischer Komplize (27) kamen in Untersuchungshaft. Bei zwei weiteren Männern, einem 28-jährigen Itzehoer sowie einem Kieler (28), ist über die Beantragung eines Haftbefehls noch nicht entschieden. Die übrigen Männer blieben auf freiem Fuß. Die Ermittlungen von Zoll und Polizei dauern noch an. Seeth-Ekholt: Anabolika in Garage entdeckt
LKA und Zoll durchsuchten Autowerkstatt. Hauptverdächtiger Marc P. wurde aus U-Haft entlassen.
Von Tanja Meinke Seeth-Ekholt. Das idyllische Porträt des Örtchens Seeth-Ekholt könnte einen dauerhaften Riss bekommen. Innerhalb von nur zwölf Stunden durchsuchten Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) und der Zollfahndung Hamburg mit zwei Hunden die Gebäude einer Autowerkstatt an der Bundesstraße nach Waffen, Sprengstoff, Drogen und Steroiden und wurden fündig: Sie stellten Anabolika sowie weitere Beweismittel sicher. Hintergrund: Ein türkischstämmiger Elmshorner hatte bis Ende September den hinteren Teil des Gebäudes gepachtet, dort eine Werkstatt und einen Autohandel betrieben. Der Mann war am Dienstag nachmittag während des Einsatzes des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) Hamburg festgenommen worden. Gemeinsam mit dem Hauptverdächtigen Marc P. (26) aus Itzehoe sowie drei weiteren Freunden hatte er in einem BMW auf dem Parkplatz eines Baumarktes an der Elmshorner Lise-Meitner-Straße gesessen und auf einen Hamburger Drogenhändler (28) gewartet, bei dem sie bereits im August zehn Kilogramm Marihuana bestellt hatten. Anstatt der Drogen brachte der vorgebliche Dealer aber das MEK mit: Die fünf Männer wurden festgenommen (wir berichteten). Noch am selben Abend durchsuchten Polizei und Zoll mehrere Gebäude darunter auch die Werkstatt in Seeth-Ekholt. Am Mittwoch dehnten sich die Ermittlungen landesweit auf 13 Wohnungen in Uetersen, Elmshorn, Kiel, Itzehoe und Seeth-Ekholt aus: 160 Zollbeamte fanden etliche Waffen, eine funktionierende Pumpgun, ein Kleinkalibergewehr, Schlagringe, Waffenteile, Anabolika und Marihuana. Fast allen Verdächtigen ist gemein, dass sie Bodybuilding betreiben und wegen schwerer Körperverletzung verurteilt wurden. Einige von ihnen arbeiten als Türsteher. "Es handelt sich aber nicht um eine organisierte Gruppe", sagte ein Mitarbeiter der Zollfahndung. "Einer braucht eine Waffe, ein anderer kennt jemanden, der verkauft so läuft das bei denen ab." Gestern wurde der Hauptverdächtige Marc P. aus der U-Haft entlassen. Seit mehr als einem halben Jahr observieren Mitarbeiter des Zolls den Itzehoer, dessen Freundin in Elmshorn wohnt. Ende Mai durchsuchten Beamte die Wohnung des 26-Jährigen und auch die seiner Elmshorner Freundin. Sie fanden dort Hinweise auf 19 weitere Kriminelle im unmittelbaren Umfeld von Marc P. unter anderem auch der ehemalige Pächter der Werkstatt in Seeth-Ekholt. Während das LKA den Verdächtigen schwere räuberische Erpressung und Verstoß gegen das Betäubungsmittel (BTM)-Gesetz vorwirft, suchte die Zollfahndung nach Beweisen für Drogen- und Waffen- und Anabolikahandel. Der Eigentümer des Gebäudes, ein Autohändler aus Barmstedt, äußerte sich nicht zu den Vorwürfen, die gegen seinen Ex-Mieter erhoben wurden. |
|
|