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2 9 - 0 3 - 2 0 0 6 Belgier fürchten Dimension des Dopingskandals
28. März 2006 Berlin - Gerade eine halbe Stunde Konversation mit dem vermeintlichen Delinquenten genügte dem Chef, dann stand sein Urteil fest. "Ich merkte sofort, daß Geert Omloop unschuldig ist", sagt Koen Terryn, der Manager des Radsportteams Unibet.com, über seinen belgischen Profi, der nach einer aufsehenerregenden Razzia in seinem Haus Ende vergangener Woche vorübergehend vom Fahrbetrieb ausgeschlossen wurde.
Polizeibeamte sollen bei Omloop, seinem
Mannschaftskollegen Dave Bruylandt und acht anderen Rennfahrern
Dopingprodukte gefunden haben. Der belgische Radsport ist um einen
Skandal reicher. Während Terryn noch über den unverhofften Verlust Omloops jammert ("Er ist tief getroffen von dem Fall und hat mir erklärt, er habe nichts Illegales getan"), hat sich die Staatsanwaltschaft in dem belgischen Ort Turnhout längst auf eine mehrmonatige Beweisaufnahme eingestellt. Zumal die zehn in die Defensive geratenen Fahrer womöglich nur, wie so oft, die Spitze eines perfiden betrügerischen Systems darstellen. "Zu diesem Zeitpunkt der Untersuchung ist noch nicht bewiesen, daß es sich dahinter um kriminelle Strukturen handelt", wiegelt die belgische Justizsprecherin Inge Delissen ab: "Die Substanzen, die wir vergangene Woche gefunden haben, waren von der Menge her für den persönlichen Gebrauch bestimmt. Der Besitz und der Gebrauch sind zwar verboten - aber es ist eben nicht erwiesen, daß eine der Personen auch mit ihnen handelt oder sie verkauft." Dabei deuten Ausmaß und Dauer der Polizeirecherchen auf genau diesen Verdacht hin. Drei Monate betrug schließlich der Vorlauf zu der konzertierten Aktion, die an 15 Orten in Belgien vonstatten ging und Substanzen wie Epo, Nandrolon, Insulin und Wachstumshormone zu Tage gebracht haben soll sowie Clenbuterol - eine Substanz, die aus der Kälbermast bekannt ist.
Der Dopingforscher und Leiter des IOC-akkreditierten Labors in Gent,
Professor Franz Delbeke,
Ähnliches vermutet auch Hans Geyer,
Immer häufiger waren in den vergangenen Jahren im Land der
Klassikerspezialisten herausragende Pedaleure Zielscheibe der
Fahnder. Bei dem belgischen Exzentriker und Enfant terrible Frank
Vandenbroucke 5600 Dopingtests nahm das Labor in Gent im vergangenen Jahr vor, sagt dessen Leiter Franz Delbeke, 4,5 Prozent davon seien positiv gewesen. "Das ist mehr als in vielen anderen Ländern - bedeutet aber nicht, daß Doping in Belgien verbreiteter ist als anderswo", beharrt Delbeke. "Denn vor allem in Flandern ist das Antidopingsystem sehr effektiv, weil nicht nur im professionellen Bereich, sondern auch viel in unteren Amateurklassen getestet wird. In der Bodybuilderszene indes weniger: Der flämische Bodybuilderverband hat seine Wettkämpfe seit einiger Zeit in die Niederlande verlegt." |
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