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1 2 - 1 1 - 2 0 0 5 Neuer Test hilft Frauen in den Wechseljahren
09.11.2005 Eine raffinierte Methode soll Dopingsünder künftig das Fürchten lehren: Mit SteroCheck lassen sich unter anderem neu entwickelte Anabolika schnell und kostengünstig nachweisen. Wissenschaftler der Universität Bonn haben das Verfahren ursprünglich entwickelt, um bei Frauen in der Menopause hormonelle Defizite wesentlich exakter messen und ausgleichen zu können. Auch zur Untersuchung der umstrittenen "Wechseljahre des Mannes" lässt
Ein Gen des Glühwürmchens soll künftig Dopingsünder entlarven helfen. Der nachtaktive Käfer produziert nämlich ein Enzym, das seinen Hinterleib zum Scheinwerfer macht: Die Luziferase. "Wir arbeiten mit veränderten menschlichen Prostata-Zellinien, da der Bauplan für die Luziferase im Organismus von Wirbeltieren natürlicherweise nicht vorkommt", erklärt Dr. Sabine Daufeldt von der Bonner Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. "Die Zellen bilden jedoch nur dann das Leucht-Enzym, wenn sie mit Substanzen in Kontakt kommen, die wie ein männliches Geschlechtshormon wirken - zum Beispiel das natürliche Androgen Testosteron, aber auch synthetische Anabolika oder ganz andere Wirkstoffe." Gibt man zu den Prostatazellen solche "androgene" Substanzen, wird das Luziferase-Gen aktiviert: Die Zellen leuchten auf - je mehr Hormon, desto stärker. Dabei entdeckt SteroCheck auch neu entwickelte Dopingmittel, die noch gar nicht auf den Verbotslisten stehen. Ausschlaggebend ist einzig und allein die Aktivierung der Luziferase in den Zellen. Zielgenaue Hormongabe Ursprünglich haben Sabine Daufeldt und ihr Kollege Dr. Axel Alléra das Verfahren aber für ganz andere Aufgaben entwickelt: Zur Bestimmung der Hormonaktivität von Patientinnen mit Fruchtbarkeitsstörungen und Frauen in den Wechseljahren. In der Menopause bilden die Eierstöcke nämlich weniger weibliche Sexualhormone, die so genannten Östrogene. Zwei von drei Frauen reagieren darauf mit mehr oder weniger ausgeprägten körperlichen und psychischen Beschwerden - von Hitzewallungen und Kopfschmerzen bis hin zu Depressionen. In schweren Fällen versucht der Arzt, die Probleme mit Hormonpräparaten in den Griff zu bekommen. "Es ist aber nicht einfach, dabei die richtige, das heißt auf die Patientin genau abgestimmte Dosis zu finden", erläutert Alléra. "Normalerweise bestimmt der Arzt dazu die Konzentration des Östradiols, des wichtigesten Östrogens im Blut. Dann versucht er, die Differenz zum normalen Östradiolspiegel mit Hormongaben auszugleichen." Die Faustregel "je weniger Östradiol, desto stärker die Beschwerden" stimmt jedoch nur eingeschränkt. Zum einen gibt es noch weitere Östrogene im Blut, die aber bei der Hormonersatztherapie üblicherweise nicht gemessen werden. Zudem wirken viele Substanzen aus der Umwelt - zum Beispiel Pestizide - selbst wie Östrogene, selbst wenn sie chemisch ganz anders aufgebaut sind. Auch Inhaltsstoffe von Sojabohnen oder Rotklee gehören dazu - ein Grund, warum Frauen in Japan, wo viel Soja gegessen wird, in den Wechseljahren nicht so starke Beschwerden haben. "Wir vermuten, dass eine passende biologische Gesamtaktivität für das Wohlbefinden wichtig ist", betont Daufeldt. "Wir haben daher eine SteroCheck-Variante entwickelt, mit der wir die östrogene Gesamtaktivität bestimmen können. Dazu verwenden wir Zelllinien aus der weiblichen Brust." Wahrscheinlich ist der "Wohlfühl-Hormonspiegel" zudem von Frau zu Frau verschieden. Prinzipiell könnten daher Gynäkologen mit SteroCheck schon vor der Menopause ein so genanntes Aktivitätsprofil ihrer Patientinnen bestimmen, um anhand dessen später hormonelle Defizite ganz gezielt und individuell auszugleichen. Brauchen auch Männer Hormongaben? Mit dem neuen Verfahren lässt sich auch ein angebliches Krankheitsbild untersuchen, das erst seit kurzem in den Fokus der Pharmabranche geraten ist: die natürliche altersbedingte Abnahme der Androgenkonzentration, die als "Wechseljahre des Mannes" bezeichnet wird. Einige Hersteller haben die neue Zielgruppe bereits für sich entdeckt und wollen den Symptomen beispielsweise mit Testosteron-Gels zu Leibe rücken. Unklar ist bislang aber noch, ab welchem Hormonspiegel überhaupt Behandlungsbedarf besteht - zumal auch beim Mann ein ganzer Mix von verschiedenen Hormonen am Werk ist. "Zu diesem Thema gibt es bislang noch viel zu wenige Studien", betont Sabine Daufeldt. Auch Frauen produzieren übrigens männliche Sexualhormone - allerdings liegen die Mengen gerade im Alter unter der Nachweisschwelle der meisten gängigen Methoden. SteroCheck ist aber so empfindlich, dass er selbst die Aktivität dieser niedrigen Dosen anzeigt. Damit eröffnen sich für die Forschung völlig neue Perspektiven: Welche Rolle die Androgene in der Frau spielen, ist nämlich erst in Ansätzen bekannt.
Kontakt: 0 4 - 0 2 - 2 0 0 6 Glühwürmchen helfen Sünder entlarven
SUSANNE ROHLFING Bonn - Es war der pure Zufall, der eine neue Wendung in die Forschungsarbeit von Sabine Daufeldt brachte. Die Bonner Biologin sah im Fernsehen ein Interview mit dem Leiter des Kölner Doping-Labors, Wilhelm Schänzer. Das war 2003, es ging um den THG-Skandal. „Ich stand da und dachte: Mit unserem Test wäre das nicht unentdeckt geblieben“, sagt Daufeldt. Mit SteroCheck hätte sie das Designer-Steroid Tetrahydrogestrinon zwar auch nicht explizit ausmachen können, aber mit der Hilfe des Luciferase-Gens von Glühwürmchen hätte sie gewusst, dass da etwas ist, was nicht sein dürfte. So allerdings wurde das zu Dopingzwecken künstlich erzeugte Anabolikum erst durch einen anonymen Hinweis gefunden. Daufeldt und ihr Kollege Axel Allera hatten sich eigentlich mit SteroCheck befasst, um die Diagnostik bei Frauen in den Wechseljahren zu verbessern. Doch auf Grund des Schänzer-Interviews wurde ihnen bewusst, dass sie auch unbekannte androgene Anabolika im Blut erkennen können. Das ist der Alptraum des modernen Dopingsünders: synthetisch hergestellte Steroide, die von den Dopinglabors mit herkömmlichen Tests mittels Massenspektroskopie oder Gaschromatografie nicht ausgemacht werden können, sind nicht mehr vor einer Entdeckung gefeit. An einem ähnlichen Testverfahren arbeitet eine Arbeitsgruppe in den Niederlanden, und Wissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln und in Dresden versuchen, mit einem Test auf Hefebasis unbekannte Steroide nachzuweisen. Ausgereift ist bislang aber keines der Verfahren. Daher hält sich die Begeisterung von Wilhelm Schänzer noch in Grenzen. Der Biochemiker findet den Ansatz von Daufeldt und Allera „interessant“. Steroide seien die „Klassiker“ im Doping und spielten nach wir vor eine große Rolle. Die Möglichkeit, dass neben THG noch andere Substanzen künstlich hergestellt werden, besteht. „Wir haben keine Ahnung, wie viel da versucht wird“, sagt Schänzer. SteroCheck müsse jedoch zunächst selbst noch getestet werden. „Wir müssen schauen, ob der Test tatsächlich routinemäßig anwendbar ist, ob er auch mit Urin funktioniert, was er kostet.“ SteroCheck ist ein unspezifischer Test. Es wird nicht die Konzentration bekannter Substanzen bestimmt, sondern eine Probe auf ihre hormonelle Wirkung untersucht. Das ist gut, um abschreckend auf die Athleten zu wirken. Allerdings nutze das den Dopingfahndern zunächst wenig. „Denn dann fängt die eigentliche Arbeit erst an, wir müssen sagen, was es ist“, erklärt Schänzer. Daufeldt und Allera haben Stero-Check bereits 2000 patentieren lassen, seither hangelte sich Daufeldt am Institut für Klinische Biochemie der Universität Bonn jedoch von einem Zeitvertrag zum nächsten und machte deshalb im Labor nur langsam Fortschritte. Der eigentliche Test mit dem Glühwürmchenenzym Luciferase wird seit 1993 in der Grundlagenforschung angewendet. Die Idee, dieses „Werkzeug“ zum Nachweis von Hormonaktivitäten im Blut von Patienten zu nutzen, kam den Biologen allerdings erst beim Gedankenaustausch mit einem befreundeten Gynäkologen. Dieser berichtete von seinen Schwierigkeiten mit Patientinnen in den Wechseljahren. Wenn die Eierstöcke aufhören, Östrogene zu produzieren, ist die nötige Hormongabe von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Denn neben den Östrogenen, deren Gehalt mit herkömmlichen Methoden bestimmt werden kann, sind im Körper zahlreiche andere Stoffe östrogenaktiv. Einige dieser Substanzen werden mit der Nahrung aufgenommen, wie etwa Sojabohnen oder Rotklee-Produkte. Andere gelangen durch Umweltgifte ungewollt in den Körper. „Dadurch gibt man mal zu viel und mal zu wenig Östrogene dazu“, erklärt Allera. Damit und mit der Ruhe von Steroid-Bastlern wäre es vorbei, wenn SteroCheck klinisch anwendbar wird. Und zurzeit sind die Bonner Wissenschaftler guter Dinge, denn einige Firmen haben ernsthaftes Interesse an SteroCheck angemeldet. |
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