Ergogenics

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Das Leben des Todesschützen

+++DAS DULSBERG-DRAMA+++

Samuel-Siamak Z. plante seinen Tod

15.06.2005
Hamburger Morgenpost
www.mopo.de

Samuel-Siamak Z. (37) - der Amok-Schütze von Dulsberg war pleite, musste zuletzt sogar sein Handy verscherbeln. Als er keinen Ausweg mehr sah, schrieb er zusammen mit seiner Freundin (30) zwei Abschiedsbriefe, plante, mit ihr in den Tod zu gehen.

Samuel-Siamak Z. wurde am 20. September 1967 in Teheran geboren. Noch als Kind kam er nach Deutschland, besuchte von 1974 bis 1980 die Grundschule und bis 1985 ein Gymnasium. Zwischen 1985 und 1987 lernte der intelligente Junge an einer Sprachenschule in Berlin.

Ab 1991 arbeitete der Bodybuilder als Fitnesstrainer, Mitte der 90er Jahre wurde er sogar Hamburger Bodybuilding-Meister. Seine Wohnung an der Stormarner Straße war voller Pokale. Der Muskelmann (Spitzname: "Sia") machte diverse Lehrgänge im Sicherheitsgewerbe, so auch als Personenschützer und Türsteher. Er besuchte zudem spezielle Sicherheits-Fahrtrainings.

Ende der 90er Jahre arbeitete Siamak Z. als Türsteher im "Funky Pussy Club" (Große Freiheit) und anderen Discos, zuletzt im "Große Freiheit Nr. 7". Zuletzt trainierte der Iraner, der inzwischen die Deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte, im Gym "Elixia" in Langenhorn.

Dafür hatte er zuletzt immer mehr Zeit: Die Einnahmen aus seinem Jobs als "freischaffender" Türsteher reichten kaum aus, die Kosten für Miete und den schäbigen grauen VW Golf II zu decken. Seine krebskranke Freundin Peggy S. (30) verdiente nichts dazu. Sie trat aus Liebe zu "Sia" sogar zum Islam über.

Zum Schluss ging es den beiden so schlecht, dass sie sogar Videorekorder, Handy und zwei goldene Ringe im Pfandhaus versetzen mussten. Peggys Schwester lieh den beiden mehrfach Geld. Als sich die Situation des Paares auch nach langem Kampf nicht besserte, fassten beide den Entschluss zu sterben.

Kein Job, kein Geld, Depressionen - in dieser Sackgasse steckte "Sia" Z. (37) zuletzt. Die Krebserkrankung seiner Freundin Peggy S. (30) - Freunde berichten, das Paar habe sogar heimlich geheiratet - kam dazu.

Der Bodybuilder liebte Peggy über alles, sie wich nie von seiner Seite. Als die Polizei jetzt die Wohnung des Paares an der Stormarner Straße durchsuchte, fand sie große Mengen an Schmerzmitteln, Anti-Depressiva und Anabolika. Vor zwei Monaten rief Peggy S. ihre Schwester an, sagte: "Du bekommst bald einen wichtigen Brief." Die Frau, die beiden finanziell half, war ahnungslos. Siamak und Peggy hatten zwei Abschiedsbriefe geschrieben - an den Vermieter und die Schwester. Die Kripo fand die Schreiben in der Wohnung. Kriminaldirektor Ulrich Tille: "Als Motiv nannten sie darin die ausweglose finanzielle Situation."

Seine beiden 26-jährigen Sportfreunde hatten Samuel-Siamak Z. Sonntagabend gegen 23 Uhr in dessen Wohnung in Dulsberg besucht, ihn herzlich umarmt. Sie spürten seine schusssichere Weste und einen Tiefschutz aus Ketten-Gewebe. Was das zu bedeuten habe, wollten die Kumpel wissen. "Ich komm gerade von der Arbeit", lautete die Antwort.

Offenbar hatte der Bodybuilder einma mehr einen Gelegenheitsjob als Türsteher. Das Trio holte Samuel Z.'s Golf in Poppenbüttel ab, fuhr zurück nach Dulsberg. Ob die spätere Tatwaffe, die Makarow-Pistole, das Messer und die 75 Schuss Munition, die der 37-Jährige bei sich trug, auch zur "Arbeitskleidung" gehörten, ist noch unklar. Die beiden Begleiter wussten offenbar nichts von der Bewaffung, warfen sich sofort unter Autos.

Als Samuel Z. bei der Polizeikontrolle an der Probsteier Straße seine Pistole zog und schoss, waren die Bekannten genau so überrascht wie die sieben Polizisten. Dann die Flucht des Amokschützen: Als er am Straßburger Platz außer Sichtweite der verfolgenden Polizisten war, sprach er kurz mit seiner Freundin Peggy S.. Dann richtete er die Waffe auf ihren Kopf und drückte dreimal ab - nichts geschah. Er lud die Waffe durch, schoss der Frau aus unmittelbarer Entfernung in den Kopf. Dann feuerte er sich in die linke Schläfe.

Die Obduktion ergab, dass der Täter von Polizisten in Notwehr zweimal in den linken Arm getroffen worden war.

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